Faserbeton
Im allgemeinen Sprachgebrauch werden alle Betone, die Fasern enthalten, als Faserbeton, frĂŒher auch Faserzement, bezeichnet.
Terminologisch richtig sind unter Faserbetonen (FB) jene Betone zu verstehen, bei denen die Fasern eine statische Funktion ĂŒbernehmen, wĂ€hrend Betone mit Fasern als Betonzusatzstoff ohne statische Funktion die Gruppe der fasermodifizierten Betone (FMB) bilden. 
Kunststein aus Faserbeton, leicht, robust und langlebig.
WÀhrend die fasermodifizierten Betone aus der Bautradition entstanden sind, wurden die heute verwendeten Faserbetone gezielt auf der Grundlage des VerstÀndnisses zur Funktionsweise von Verbundwerkstoffen entwickelt. Sie gehören zwischenzeitlich zu den Hightech-Werkstoffen im Bauwesen.
Fasermörtel / Fasermodifizierter Beton (FMB)
In fasermodifizierten Mörteln, Putzen und Betonen nehmen âtextile Fasernâ mit groĂer Zugfestigkeit und hohem E-Modul in unmittelbarer Umgebung eines sich bildenden (Mikro-)Risses die dort entstehende ZugkrĂ€fte auf und verhindern deren VergröĂerung.Â
Bei steigender Dosierung mit geeigneten Fasern erhöht sich die Bruch-, Schlag- und Zugfestigkeit eines solcherart fasermodifizierten Bauteils.
Im Unterschied zu recht groben Drahtfaserstiften aus Metall und lĂ€nglichen SpĂ€nen aus Stahl, die unter dem Oberbegriff âStahlfasernâ vorwiegend in Beton mit Bauteilquerschnitten von entscheidend mehr als 6 cm eingesetzt werden, zeichnen sich die hier genannten Fasermörtel mit textilen Fasern durch eine spĂŒrbare VergĂŒtungswirkung in dĂŒnnen Bauteilen von wenigen Millimetern aus. Â
Entsprechend der zementĂ€ren Bindemittelmatrix können unterschiedliche Faserarten zum Einsatz kommen. Zur dauerhaften Bewehrung in alkalischen Medien, z. B. Beton, sind alkaliresistente (AR-) Fasern erforderlich, wĂ€hrend inertes Fasermaterial, beispielsweise aus Polypropylen (PP-Fasern) neben einer Funktion als temporĂ€re SekundĂ€rbewehrung andere Aufgaben erfĂŒllen kann. PP-Fasern werden in erster Linie wegen ihrer vorteilhaften Funktion beim Brandverhalten in Betonbauteilen und z.B. in Estrichen als Nachweis einer erfolgten Faserzugabe mit temporĂ€rer Funktion verwendet.

Der Wuppertaler Theaterplastiker Arnold MĂŒller gestaltet neben beeindruckend realistischen Tierplastiken aus Glasfaserbeton auch BĂŒhnendekorationen aus fasermodifizierten Gipssystemen.
AR-Glasfasern die Gebrauchstauglichkeit eines Betons bereits bei sehr geringen Zugabemengen von rd. 0,15 M.-%.
Im Unterschied zu hoch bewehrtem GFB (Glasfaserbeton) mit Gehalten von 3-5 Volumenprozent stellen Glasfasern bei einer geringen Dosierung von wenigen Gramm pro Kubikmeter (im FMB) jedoch keine statisch wirksame Bewehrung des Baustoffs dar. Fasern bzw. Glasfasern, die dem Beton in einer Menge im Promillebereich zum Beton zugegeben werden, sind bei dieser geringen Dosierung lediglich als vergĂŒtender Zusatzstoff zu betrachten.
Die Verwendung geringer Zugabemengen von Bewehrungsfasern aus AR-Glas, Karbon oder Stahl ist in Normalbeton insbesondere bei solchen Bauteilen zweckmĂ€Ăig, an die besondere Anforderungen hinsichtlich der Rissfreiheit gestellt werden, beispielsweise weiĂe Wannen, Bauteile aus Spannbeton oder flĂŒssigkeitsundurchlĂ€ssige Betonkonstruktionen.
Als durchaus erfolgreiche Mikrobewehrung werden Armierungen aus textilen Fasern auch bei anderen Bauteilen zementgebundener Baustoffe eingesetzt, z. B. fĂŒr Estriche, Industrieböden oder Betonfertigteile.